Eine fortlaufende Kritik am Informatikunterricht durch fachfremde Lehrer, die wir Informatiklehrer nur höchst ungerne hören: „Warum lernen die Schüler im Unterricht nicht, ordentlich mit PowerPoint umzugehen?“
Ich denke, den meisten von uns kommt dieser Satz bekannt vor und jeder hat dafür schon seine eigene Antwort gefunden, meistens verbunden mit „Medienbildung ist Aufgabe aller Unterrichtsfächer“ und „die Wissenschaft Informatik ist nicht die Arbeit mit Anwendungssoftware“.
Gleichzeitig ist natürlich nicht bestreitbar, dass der problemlose Zugang zu Computertechnik in diesem Fach irgendwo auch den Reiz bietet, mit solcher Anwendungssoftware zu arbeiten, man aber im fortlaufenden Konflikt steht – gerade im Hinblick auf den neuen Lehrplan – die fachinformatischen Inhalte zu unterrichten.
Gleichzeitig stellt sich im neuen Lehrplan für viele die Frage:
Wie lassen sich abstrakte Konzepte wie Automaten, Zustände und Übergänge für Siebtklässler spannend und greifbar machen?
Meine Antwort:
Mit einem selbstgebauten Escape-Room – mit PowerPoint.

Im neuen Lehrplan Informatik für Klasse 7 wird gefordert, dass Schülerinnen und Schüler Prozesse aus ihrer Lebenswelt mit Hilfe von Graphen, Zustandsdiagrammen und Übergangsgraphen beschreiben können und genau hier setzt meine Unterrichtsidee an: Die Lernenden erstellen in Gruppen einen digitalen Escape-Room in PowerPoint. Und um das Grundinteresse zu steigern, dürfen sie das auf selbst gewählten Themen aus beliebigen Schulfächern aufbauen.
Die Escape-Rooms basieren auf der Idee von Zuständen (ein Raum/eine Situation/in der Präsentationssoftware eine Folie) und Übergängen (Links zu anderen Folien). Die daraus entstehenden Übergangsgraphen lassen sich hervorragend als Zustandsdiagramme darstellen und genau das wird ja im Lehrplan gefordert.
Neben dem inhaltlichen Schwerpunkt auf Automaten wird mit dieser Aufgabe gleichzeitig die Medienkompetenz geschult:
- Arbeiten mit PowerPoint im Kioskmodus
- Nutzung von Verlinkungen zwischen Folien
- Gestaltung interaktiver Präsentationen
- Bewusstes Planen von Benutzerführung und Feedback
Gerade diese Kompetenzen in Präsentationssoftware fehlen vielen Schülern, können aber zu überraschend interaktiven und schönen Ergebnissen führen.
Materialien
Ich stelle zwei Materialien bereit, die den Einstieg erleichtern:
Und eine erste „Spielwiese“ zum Ausprobieren:
Ablaufidee im Unterricht
1.) Einstieg ins Thema Automaten
Was ist ein Zustand? Was bedeutet Übergang? Wie könnte man das in Spielen wiederfinden?
2.) Vorstellung von Escape-Rooms
Gemeinsames Spielen eines Mini-Raums (Tutorial), Analyse der Struktur
3.) Arbeitsblatt zur Planung ausfüllen
Thema, Rätselideen, Raumstruktur, Sackgassen
4.) PowerPoint-Spielwiese testen
Funktionen verstehen: Kioskmodus, Verlinkung, Rückmeldungen
5.) Eigener Escape-Room
Umsetzung eines selbstgewählten Unterrichtsthemas aus einem beliebigen Fach
6.) Präsentation und Reflexion
Spieltausch in der Klasse, Zustandsgraph dokumentieren, Reflexion zu Mediennutzung
Diese Inhalte können dabei natürlich völlig unterschiedlich „tief“ behandelt werden und so in den Stoffverteilungsplan eingepasst werden.
Fazit
Die Unterrichtsidee verbindet fachliches Lernen, Kreativität und Medienbildung auf erfahrungsgemäß motivierende Weise. Die Escape-Rooms machen den Übergang von der Theorie der Automaten zur Lebenswelt der Schüler nachvollziehbar und sorgen für Spaß am Lernen. Gleichzeitig lässt sich das damit Gelernte auch gut in verschiedenen Vertretungsstunden oder Ähnlichem nutzen.
Wer nicht PowerPoint nutzt, kann zwar das hochgeladene Material nicht nutzen, doch das Prinzip auch mit anderen Tools wie Genially, Google Slides, LibreImpress oder sogar analogen Karten umsetzen. Der Kreativität sind hier eigentlich keine Grenzen gesetzt.
Ich hoffe, dass die Idee bei Ihnen für Anregungen sorgen konnte und freue mich auf Anfragen und mögliche Diskussionen.
(Das Beitragsbild stammt im Übrigen aus einem kleinen Point’n’Click Adventure, das ich mit Apple Keynote und den gleichen Prinzipien an einem iPad erstellt habe.)
