Das Thema Datenbanken ist im Unterricht schon lange fester Bestandteil und jeder hat für seinen Unterricht sicher eine gut funktionierende Variante gefunden, dieses Thema zu vermitteln. Ich habe in den letzten zwei Jahren allerdings sehr gute Erfahrungen mit einem Tool gemacht, das ich hier gerne vorstellen möchte.
Vorerfahrungen
Ich habe im Unterricht verschiedene Programme und Möglichkeiten ausprobiert, um mit Datenbanken zu arbeiten. Der Weg war dabei von MS Access über LibreBase und anschließend noch etwas schmaler mit dem DBBrowser und dem SQLiteStudio, die sich einerseits sehr ähnlich sind und zum anderen beide auch empfehlenswert für schnelle und lokale Bearbeitung von Datenbanken. Auch InstaHub ist eine tolle browserbasierte Software zur Arbeit mit Datenbanken und in Oberfläche und Überlegung zweifellos sehr empfehlenswert. Für mich haben sich hier aber Hürden in der Administration der Schülerzugänge ergeben und dahingehend, dass sehr viele Themen gestreift werden, für die man im Informatikunterricht nicht immer Zeit hat, wenn man erstmal nur den reinen Lehrplan erfüllen möchte.
Meine Empfehlung
Vor zwei Jahren bin ich dann auf SQLVerine (https://sqlverine.org) gestoßen und erkenne darin sehr viel Potenzial. Die Gründe dafür möchte ich im Folgenden nennen und durch Beispiele aus meinem Unterricht untermauern.
Bei dem Öffnen des obigen Links erscheint die folgende Auswahl, wobei der „Editor“ die vorrangig genutzte Seite im Unterricht ist.

Niedrige Einstiegshürden
SQLVerine funktioniert rein browserbasiert und kann somit auch sehr gut von Schülern zuhause genutzt werden, die keinen PC, sondern zum Beispiel nur ein Tablet haben. Selbst am Handy könnte mit diesem Tool zum Beispiel im Bus geübt werden, wobei ich die Benutzeroberfläche hier dann etwas „gedrängt“ empfinde.
Mit diesem Tool können eigene erstellte Datenbanken im .db-Dateiformat genutzt werden, also SQLite Datenbanken, die man zum Beispiel mittels DBBrowser schnell erstellt hat.
Im Editor kann dies einfach über das Upload-Symbol erfolgen:

Vorbereitete Grundaufgaben
Beim Öffnen des Editors findet man vorbereitete Grundaufgaben mit Hinweisen auf einer „Grundschule.db“ Datenbank. Diese beginnen simpel und steigern sich anschließend bis hin zu einem Verbund.

Dies ist auch übersichtlich gestaltet und kann über den Aufgabeneditor in ähnlicher Form für Übungsphasen umgesetzt werden. Alternativ funktionieren in Übungsphasen aber auch klassische Aufgabenformulierungen, zum Beispiel auf einem Arbeitsblatt.
Kontextsensitive Reaktionen
Klickt man auf den Befehl SELECT _ FROM _ , ändern sich die auswählbaren Befehle (in diesem Fall zu der Auswahl der Tabelle). Dies bietet für den Unterricht die (selbstverständlich optionale) Möglichkeit, kurz auf die Chomsky-Hierarchie einzugehen, sofern man das als Lehrer möchte.
Für diejenigen Schüler, die „Befehle klicken“ und graphische Benutzeroberflächen dieser Art nicht mögen, bietet sich an, oberhalb des Eingabefeldes den Schalter bei Aa zu aktivieren – dann lassen sich die Befehle klassisch per Tastatur eingeben.
Didaktische Plattform
SQLVerine ist nicht für die Anwendung in wirtschaftlichen oder privaten Bereichen gedacht und geeignet, sondern ausschließlich im Unterricht sinnvoll. Der Hintergrund, dass es im Unterricht auch wirklich praktikabel ist, liegt vermutlich darin, dass es in Bayern von Lehrkräften für den Informatikunterricht entwickelt wurde. (https://sqlverine.org/info)
Dies spiegelt sich, neben der einfachen Benutzung, auch in visuellen und informativen Designentscheidungen wider. So gibt es, wenn man eine Datenbank hochgeladen hat, immer die Möglichkeit das zugehörige „Schema“ zu betrachten. Dort sieht man die Spalten jeder Tabelle und farblich zugeordnet auch noch die Fremdschlüssel, die in den Tabellen vorkommen.
Diese Visualisierung empfinde ich vor allem auch dabei nützlich, auf die unterschiedlichen Umsetzungen der Kardinalitäten aus einem ERM in einer „echten“ relationalen Datenbank eingehen zu können.


Weiterhin gibt es eine für Schüler aufbereitete Dokumentation, in der auch nochmal die SQLite-Befehle mit nachvollziehbaren Beispiel zu finden sind (https://sqlverine.org/docs/intro).
Weitere Empfehlung zur Motivation: SQL Island
Die TU Kaiserslautern stellt ein „Spiel“ zum Umgang mit SQL zur Verfügung unter: https://sql-island.informatik.uni-kl.de .
Dieses ist schön aufbereitet, macht den Schülern nach meiner Erfahrung auch eine Weile Spaß, wenn sie alleine arbeiten, hat aber in genau diesem Szenario einen großen Nachteil:
Während des Spiels werden nicht nur Abfragen sondern auch Datenbank-Manipulationen notwendig und hier ist es möglich, das Spiel so zu „zerstören“, dass man es nicht mehr sinnvoll beenden kann. Insofern bietet es sich hier meiner Meinung nach an, das Spiel geführt, zum Beispiel in einem Unterrichtsgespräch, zu nutzen. Die Lösungen der einzelnen Aufgaben findet man unter: https://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek/informatik/datenbanken/sql_island_loesungen.pdf
Material
Zuletzt möchte ich an dieser Stelle noch Material aus meinem Unterricht zur Verfügung stellen.
