Das Programmieren in der Schule ist nach meinem Empfinden immer ein schwieriges Thema. Einerseits ist Programmierung an sich ein faszinierendes Feld, doch erfahrungsgemäß verliert man mit grundlegenden, oft mathematischen Aufgaben schnell Schülerinnen und Schüler, die keinen Zugang dazu finden. Für den neuen Lehrplan wollte ich deshalb eine ansprechende Lösung finden, die dennoch die notwendige Komplexität bietet, um Schüler mit Vorkenntnissen nicht zu unterfordern. Nach intensiver Recherche und dem Testen verschiedener Programmierumgebungen habe ich mich letztendlich für MakeCode Arcade entschieden, um die Programmierung in der Klassenstufe 10 zu unterrichten. Die Wahl einer geeigneten Plattform war keine leichte Entscheidung, da sie sowohl motivierend als auch zielführend sein muss: Einerseits gibt es Schülerinnen und Schüler, die nach der 10. Klasse Informatik abwählen und trotzdem mit einem fundierten Grundwissen die Schule verlassen sollen. Andererseits sollen jene, die sich für Informatik in der Oberstufe entscheiden, gut vorbereitet sein, um in die tieferen Konzepte der Programmierung einzusteigen.
In der 8. Klasse setzen wir an unserer Schule derzeit Robot Karol Online ein, um den Schülerinnen und Schülern die grundlegenden Konzepte der Algorithmik beizubringen. Durch die klare, auf Befehlen basierende Struktur lernen sie grundlegende Steuerungskonzepte und logisches Denken kennen. Später nutzen wir Scratch für den dritten Lernbereich, die Komplexaufgabe, da es visuell ansprechend ist und dennoch anspruchsvolle Möglichkeiten bietet.

MakeCode Arcade bietet nun eine sehr solide Möglichkeit, den Übergang von blockbasiertem Programmieren zu textbasierten Sprachen zu gestalten. So kann zunächst konkret an die Programmierung mit Scratch angeknüpft werden. Dabei gibt es einige Vorteile für den Informatikunterricht, die mich schlussendlich überzeugen konnten:
Flexibilität zwischen Blöcken und Text: Schülerinnen und Schüler können nahtlos zwischen der blockbasierten Ansicht und den textbasierten Sprachen (JavaScript und Python) wechseln. Dies ist ideal, um erste Schritte in einer textbasierten Sprache zu unternehmen, ohne sich sofort mit komplizierter Syntax auseinandersetzen zu müssen. Bei der Online-Version von Robot Karol ist dies ähnlich, jedoch deutlich eingeschränkter, da die Programmierung dort ausschließlich der Lösung vorgegebener Probleme dient.
Hardwareunabhängig: MakeCode Arcade funktioniert im Browser, ohne dass sich die Schülerinnen und Schüler (oder die Lehrkraft) registrieren müssen. Die Dateien können, ähnlich wie bei der Browservariante von Scratch, lokal auf dem Arbeitsgerät gespeichert und wieder hochgeladen werden. Gleichzeitig gibt es spezielle „Spielekonsolen“, auf denen die entwickelten Spiele laufen können.
Motivation durch Spieleentwicklung: Spieleprogrammierung ist grundsätzlich sehr motivierend, da „echte Ergebnisse“ entstehen, auf die Schülerinnen und Schüler in der Regel stolz sind. Zwar werden keine unmittelbaren Alltagsprobleme gelöst, doch realistischerweise gibt es für alle typischen Probleme, die in der 10. Klasse per Programmierung gelöst werden sollen, bereits funktionierende Programme und Apps. Der Vorteil der Spieleentwicklung liegt darin, dass selbst ein ähnliches Spiel nicht das selbst programmierte Projekt in den Schatten stellt, da genug Individualität eingearbeitet werden kann. Dabei setzen sich die Schülerinnen und Schüler trotzdem mit grundlegenden Konzepten wie Sequenzen, Schleifen, Bedingungen und Funktionen auseinander, wodurch eine Lehrplanerfüllung gewährleistet werden kann.
Konzepte zur Differenzierung im Unterricht
- Schüler, die nach Klasse 10 Informatik abwählen, nehmen praxisnahes Wissen mit, das ihnen hilft, informatische Denkweisen in anderen Bereichen anzuwenden. Gleichzeitig können sie auch ohne tiefe syntaktische Kenntnisse Erfolgserlebnisse erreichen. Falls gewünscht, können die Programmierblöcke deaktiviert und die Projekte auf Python oder JavaScript beschränkt werden.
- Schüler, die Informatik in der Sekundarstufe II belegen, können hingegen schnell zur Programmierung mit JavaScript und Python übergehen und sich so zielgerichtet auf die Sekundarstufe II vorbereiten.
MakeCode Arcade könnte somit ein gelungener Kompromiss zwischen Niedrigschwelligkeit und anspruchsvollen Inhalten sein. Bislang kenne ich keinen Kollegen, der diese Software im Unterricht einsetzt, sodass ich noch auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Allerdings werde ich zeitnah Unterrichtsmaterialien für den Lehrplan der Klasse 10 auf dieser Grundlage entwickeln und dann im Rahmen einer Fortbildung anbieten.
Erfahrungen werde ich an dieser Stelle zu gegebener Zeit vorstellen.
